Schlaf & Traum Schläfer & Träumer Denkmal der verlorenen Zeit Die Unendlichkeit der Zeit Der Lebensweg Kreuzigung Schachspiel Herstellung einer Gipsskulptur In Bezug auf viele meiner Werke habe ich eine Geschichte in Form einer Novelle verfaßt. Diese sollte zum Nachdenken über einen Teilbereich vom Sinn des Lebens anregen. Stop Ostertraum Der Chef Holzfällerlegende Illusion Traumdeutung Metamorphose SURREALE  Landschaften

Die Werte des Reichtum

eine Novelle von Ingo Hauffe 2007

Eine Geschichte, die soeben passiert. Hier oder anderswo.

Der Vater gibt den Sohn den Pflugschar, das Pferd und einen Sack mit Saatgut. Die Mutter bringt ihm Kleidung für die kalten und die warmen Tage. Der Sohn steht vor der Eingangspforte. Die Eltern treten dahinter und sprechen: "Sohn, tue dein Werk gut": Er verspricht es ihnen.

Zur selben Zeit an einem anderen Ort überreicht der Vater dem Sohn das Schwert, das Pferd und einen Sack mit köstlichen Leckereien. Die Mutter bringt ihm unzweckmäßige, aber stattliche Kleidung. Der Sohn steht vor der Eingangspforte. Die Eltern treten dahinter und sprechen:
"Sohn, tue dein Werk gut". Er verspricht es ihnen.

Dieser reitet nun durch das Land und trifft auf einen Mann, der hinter einem Pferd und hinter der Pflugschar Furchen in die Erde zieht. "Was machst du da?" fragt der Reiter.
"Ich bewirtschafte das Feld": antwortet der Mann hinter dem Pflugschar. Der Reiter erwidert:
"Deine Eltern haben dir einen klapprigen Gaul, einen Sack voll trockener Körner und Lumpen hinterlassen. Du tust mir leid, aber ich kann nichts für dich tun". Er nimmt aus seinem Sack einen Kanten Brot und beißt hinein. Ein kleines Stück bleibt übrig. Er wirft es dem Anderen zu. Es landet im Dreck. Lachend und über die Dummheit, des Mannes hinter dem Pflug, den Kopf schüttelnd, reitet er davon.

Der Mann hinter dem Pflug hat gute Ernten eingefahren und kann davon Frau und Kinder ernähren.
Eines Abends schwingt er sich auf sein Pferd, um sein Feld mit dem reif werdenden Getreide zu inspizieren. Er reitet von einem Ende oder Anfang zum anderen Ende oder Anfang des Feldes. Da bemerkt er einen Sitzenden. Dessen Pferd war recht klapprig und in der Erde steckte ein Schwert.
Vor ihm lag ein leerer Sack und darauf ein Haufen voller Geldstücke. "Was tust du da"? fragt der Reiter. "Ich zähle das Geld". antwortet der Sitzende. Darauf der Reiter: "Dein Pferd ist klapprig geworden. Deine Kleidung ist dünn und du frierst. Das Schwert hast du in die Erde gerammt und vor dir liegt auf einem leeren Sack ein Berg Geldstücke. Was ist passiert"? Der Sitzende spricht: "Der Sack mit den köstlichen Leckereien war bald alle und als der Winter kam fror ich in meinen Kleidern. Als ich so schon längere Zeit durch die Lande zog begegnete ich einen Mann. Ich fragte ihn, ob er für mich und mein Pferd etwas zu essen habe. Da ich nichts als Gegenwert ihm anbieten konnte, antwortete er mir, er habe nichts zu verschenken. Darauf zog ich mein Schwert, um ihn zu richten. Deswegen habe ich das Schwert in die Erde gestoßen, um es vom Blut des Geizhalses zu säubern".
"Hattest du das Recht diesen Mann zu richten ?! Warum soll die Erde das Blut, des von dir in Blut getränkten Schwertes aufnehmen ?! Was sagst du zu meinen Vorwürfen"? "Der Mann war dumm. Hätte er mir nur ein Geldstück gegeben, dann hätte ich genügend kaufen können, um meinen Hunger und den meines Pferdes zu stillen. Er hatte einen ganzen Beutel davon. Jetzt gehört er mir und ich will großzügig sein. Statt des einen Geldstückes gebe ich dir zehn. Nur gib mir etwas zu essen"!
Der Reiter den Kopf schüttelnd: "Was machst du mit den vielen anderen Geldstücken"? "Ich glaube mein Pferd wird den nächsten Winter nicht überstehen. Auch brauche ich einen neuen größeren Sack voll mit köstlichen Leckereien und ein neues scharfes Schwert": "Wofür"? Der Reiter muß immer noch mit dem Kopf schütteln. "Ein scharf geschliffenes Schwert kommt dem zu Gute der dieses hat und triumphiert über den, der gegenüber mit stumpfer Klinge kämpft". Dem Reiter ist das Kopfschütteln vergangen. "Dein Geldbeutel hat einen großen Wert. Du besiegst die Unnützen und kannst damit zu Recht dein scharf geschliffenes Schwert schwingen. Du brauchst mir nicht leid zu tun. Ich kann nichts für dich tun, außer vielleicht hier dieses Korn". Der Reiter wirft den Beutel Saatgut, den er immer bei sich hat, zu dem Sitzenden auf die Erde. "Willst Du mich verspotten, Mann hinter dem Pferd und hinter dem Pflug ?! Hier nimm 100 Geldstücke, aber gib mir endlich was zu essen".
Der Reiter antwortet: "Sehe hin und sehe das Angebot. Auch wenn du es nicht verdient hast. Du hast den Geldbeutel und ich brauche ihn nicht. Nimm das Korn und sähe es"! Jetzt wird der Sitzende wütend und hat schon den Knauf seines stumpfen Schwertes in der Hand. "Willst du mich verspotten? Wer bist du, daß du dir anmaßt mir eine solche Arbeit aufzutragen"? Der Reiter antwortet: "Das solltest du wissen. Ich bin der Bauer, der dafür gesorgt hat, daß auch dein Sack voll mit köstlichen Leckereien war. Jetzt aber ist die Zeit reif, daß du selber deine Saat aussäst. Laß dein Schwert in der Erde stecken. Du schreckst mich nicht. Sage mir wer du bist und warum dein Schwert stumpf ist". Der Sitzende hat sich etwas beruhigt und antwortet: "Man nennt mich den HOLZFÄLLER. Ich ziehe durch das Land und den Wald. Mit meinem Schwert schlage ich Kerben in die Bäume. Damit sind sie als mein Eigentum und zum Fällen markiert. Dies verrichten dann Leute, wie du einer bist, mit ihren Äxten".
Der Bauer wütend: "Die Axt bist du"!!! Der Holzfäller, mit der Hand abwehrend, fährt fort: "Alle Bäume hier sind markiert. Deswegen ist mein Schwert stumpf. Ich habe einen weiten Weg hinter mir und einen noch weiteren vor mir in ein anderes Land, um auch dort die Bäume zu markieren. Noch weiß ich nicht, wie weit ich reiten muß, denn schon viele Bäume sind gefällt. Auf der Suche danach brauche ich etwas zu essen. Du erkennst jetzt, ich kann mich nicht mit Korn sähen beschäftigen. Mache du das weiter und gib mir endlich was zum essen".
Der Bauer erwidert: "Du hast alles was du brauchst. Die wenigen übriggebliebenen Bäume sollst du nicht mehr fällen". Er gibt seinem Pferd die Sporen und reitet davon, den verblüfften "Holzfäller" allein zurücklassend. Der Bauer ist längst schon nicht mehr zu sehen, da nimmt der "Holzfäller" in die rechte Hand ein Geldstück und in die linke Hand ein Korn.
10 Tage sind seitdem vergangen. Der Bauer schwingt sich auf sein Pferd, um zu seinem Feld zu reiten. Das Korn ist reif. Die Ernte wird gut. Am Ende des Feldes sitzt der "Holzfäller" mit hingehaltenem Hut. Der Bauer traut seinen Augen nicht. "Du sitzt ja immer noch hier"; spricht er ihn an. Leicht nach vorn gebeugt hält der "Holzfäller" seinen Hut in der linken Hand. Die rechte Hand mit dem Geldstück hat er zum Mund geführt und auf das Geld gebissen. "Du bist vielleicht ein komischer Kauz"; so der Bauer. "Hattest du etwa solange gewartet und gehofft, daß ich dir etwas zum essen bringe und in deinen Hut lege? Was ist mit den Geldstück zwischen deinen Zähnen? Prüfst du, ob es echt ist"? Er klopft dem "Holzfäller" fast freundschaftlich auf die Schulter. Doch dieser antwortet nicht. Mit angewinkelten Gliedmaßen, so wie er saß, kippt er auf den Rücken.
DAS GELDSTÜCK FEST IM BISS.
Der Bauer spricht: "Das Korn ist reif. Die Ernte wird gut. Nur Einer hat's nicht gesehen, der Mann mit dem hingehaltenem Hut. Hä´tt er sie nur gesehen, die 5 Ähren, die neu gesprossen, senkrecht neben ihn steh´n, dann wäre vielleicht noch ein Wunder gescheh´n. Doch Wunder sind selten und mich wundert es nicht, daß mit dem "Holzfäller" kein Wunder passiert ist. Es ging ihm nicht an ein Licht, statt dessen knipste er seinen Schalter aus, hin zur eigenen Finsternis.
Nicht tauglich zu erkennen:
GELD HAT KEINEN WERT.
GELD IST NICHT REICHTUM.
NUR DER WERTE ERKENNT BESITZT REICHTUM".
Der Bauer schwingt sich wieder auf sein Pferd und reitet zurück zu seinen Heim und seiner Familie.

Zurück bleibt der Holzfäller. DAS GELDSTÜCK FEST IM BISS.